Der Friedhof Kesselstadt liegt am Baumweg im Westen Hanaus und gehört zu den geschichtsträchtigsten Friedhöfen der Stadt. Er wurde 1906 angelegt, nur ein Jahr vor der Eingemeindung des bis dahin selbständigen Orts Kesselstadt nach Hanau am 1. April 1907. In seinen frühen Jahren wurde der Friedhof kirchlich organisiert und unterhalten; 1971 übernahm die Stadt Hanau die Verwaltung und Pflege. Dem wachsenden Bedarf entsprechend wurden die Grabfelder mehrfach erweitert, unter anderem 1928 und 1945.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Friedhof aus archäologischer Sicht: Auf seinem Gelände sind die Fundamente eines römischen Bades erhalten, ein direktes Zeugnis der römischen Besiedlung an diesem Mainübergang. Bereits um 83 n. Chr. errichteten die Römer in diesem Bereich das sogenannte Kastell Kesselstadt mit angeschlossener Zivilsiedlung, aus dem sich im Mittelalter der Ort Kesselstadt entwickelte. Schon der Ortsname leitet sich von „Castell-Stätte“ ab und verweist auf diesen antiken Ursprung. In unmittelbarer Nähe entstand ab 1701 unter Graf Philipp Reinhard von Hanau-Lichtenberg das barocke Schloss Philippsruhe, das Kesselstadt über Jahrhunderte den Charakter einer vornehmen Wohn- und Bedienstetengemeinde verlieh.
Ein aktuelles Kapitel der Friedhofsgeschichte wurde 2022 aufgeschlagen: Am 20. September 2022 wurde auf dem Kesselstädter Friedhof in enger Kooperation mit der Stadt Hanau ein neuer jüdischer Friedhof eingeweiht.
Damit vereint der Friedhof Kesselstadt auf engem Raum verschiedene Epochen: von der römischen Antike über die frühneuzeitliche Ortsentwicklung bis zur aktiven jüdischen Begräbniskultur der Gegenwart und ist so weit mehr als ein reiner Bestattungsort.